Häufig gestellte Fragen zu Muskelkrämpfen

  • Was sind Muskelkrämpfe?
    Bei einem Muskelkrampf ziehen sich abrupt und unwillkürlich einzelne Muskeln oder ganze Muskelgruppen maximal zusammen. Die Krämpfe unterscheiden sich in ihrer Dauer und können generell fast jedes Körperteil betreffen, überwiegend jedoch die Muskeln der Wade und des Fußgewölbes.2
  • Wie äußern sich Muskelkrämpfe?
    Typisch für dieses Symptom sind unvermittelt einsetzende, starke Schmerzen sowie ein Kontrollverlust über die betroffenen Muskeln.
  • Ist das Zucken der Muskeln bei Muskelkrämpfen sichtbar?
    Ja, die Kontraktion ist äußerlich sicht- und fühlbar.
  • Was genau passiert bei einem Muskelkrampf im Körper?
    Muskelkrämpfe sind Zeichen einer myogenen (durch den Muskel bedingten) oder neurogenen (vom Nervensystem ausgehenden) Übererregbarkeit der beteiligten Muskeln. Die Folge: Der Muskel zieht sich zusammen und verhärtet sich.
  • Wann sollte ich mit Muskelkrämpfen zum Arzt?
    Wenn die Beschwerden über einen längeren Zeitraum fortbestehen oder Sie in Ihrem Alltag eingeschränkt sind, sollten Sie ärztlichen Rat einholen3. Auch dann, wenn die Krämpfe an eher ungewöhnlichen Körperstellen auftreten (also nicht am Fuß oder der Wade). Ebenfalls ein Fall für den Arzt sind weitere Symptome wie Lähmungserscheinungen oder Taubheitsgefühle.5

Überaus vielschichtig – die Ursachen von Muskelkrämpfen


Muskelkrämpfe (auch Crampi, vereinzelt Spasmus) stehen nicht selten im Zusammenhang mit sportlicher Aktivität. 

Gründe für die Krämpfe bei Sportlern sind beispielsweise:

  • starkes Schwitzen: Wer sich sportlich so richtig ins Zeug legt, verliert über den Schweiß Salze und Flüssigkeit, was Muskelkrämpfe begünstigt.
  • Fehl- oder Überbelastung von Muskeln: Unter diesen Punkt fallen Faktoren wie ein schlechter Trainingszustand, starke körperliche Anstrengung, monotones Training oder Fehler bei der Ausrüstung (beispielsweise falsches Schuhwerk).

Was aber ist mit den Menschen, bei denen sich der Muskelkrampf nicht auf den Sport zurückführen lässt? Ein Drittel der Bevölkerung hat schließlich auch ohne körperliche Ertüchtigung mit krampfenden Muskeln zu tun.1

Weitere mögliche Gründe für krampfende Muskeln sind:

  • Mangelerscheinung: Das Spurenelement Magnesium kann den Körper dabei unterstützen, dass seine Muskeln reibungslos arbeiten. Wichtig für die Stoffwechselvorgänge im Muskel ist auch der Mineralstoff Kalium sowie Vitamine, zum Beispiel der B-Gruppe. Ein Elektrolyt- und Vitaminmangel kann die Krampfbereitschaft der Muskeln anheben.4
  • schlecht eingestellter Diabetes: Auf hohe Blutzuckerwerte reagiert der Körper mit verstärktem Harndrang, er weist sozusagen die Nieren an, Zucker mit dem Urin auszuschwemmen. Doch beim Gang auf das stille Örtchen landet nicht nur der Zucker in der Toilette, sondern auch die für Muskeln essenziellen Mineralstoffe.  
  • bestimmte Medikamente: Unter anderem können Asthma-, Migräne-, Entwässerungsmittel, Neuroleptika („Nervendämpfungsmittel“), Bronchospasmolytika (erweitern verengte Bronchien) sowie ACE-Hemmer (Arzneimittel mit blutdrucksenkenden und gefäßerweiternden Eigenschaften) als Nebenwirkung Muskelkrämpfe auslösen.
  • Fehlbeanspruchung der Muskulatur: Diese geht mitunter auf eine Muskulatur-Skelett-Erkrankung zurück, zum Beispiel bei Arthrosen (Gelenkverschleiß).
  • Gefäßerkrankungen: Sie können eine Durchblutungsstörung im Muskel zur Folge haben.

Selten ist ein Krampf in den Waden auch Anzeichen einer beginnenden Venenthrombose (durch ein Blutgerinnsel verursachter Gefäßverschluss in den tiefen Beinvenen).

Neben Sportlern gibt es weitere Personengruppen, die anfällig sind für Muskelkrämpfe. Dazu gehören

  • ältere Menschen (die beispielsweise häufig zu wenig trinken) sowie
  • Schwangere.

Bei Frauen, die ein Kind erwarten, kann es zu einem beeinträchtigten Wasser- und Mineralstoffhaushalt kommen, für den sich unter anderem Veränderungen im Hormonspiegel verantwortlich zeigen.5

Was ist das denn für ein Krampf?

Generell nehmen Mediziner folgende Unterscheidung der Muskelkrämpfe vor:

  • idiopathisch: ohne erkennbare Ursache; jedoch sind Faktoren wie eine Störung des Wasser-Elektrolyt-Haushaltes zuträglich
  • symptomatisch: mit erkennbarer Ursache

Nicht zu verwechseln mit:

Myalgie: spontaner oder belastungsabhängiger Muskelschmerz ohne sichtbare Muskelkontraktion (Anspannung); häufig Symptom bei vielen neurologischen Erkrankungen.

Muskelkrämpfe & Nerven


Tatsächlich gibt es zahlreiche Erkrankungen des peripheren Nervensystems (PNS), im Rahmen derer Muskelkrämpfe auftreten können. Das PNS umfasst die Nerven, die sich nicht im Rückenmark oder Gehirn befinden.

Zu den Erkrankungen, bei denen Muskelkrämpfe in Erscheinung treten können, gehören:

  • Polyneuropathien (Erkrankungen mehrerer peripherer Nerven), beispielsweise aufgrund von Gefäßerkrankungen
  • Nervenwurzelkompressionen: Besonders in der Lendenwirbel- und Kreuzbeinregion (lumbosakral), hervorgerufen durch Bandscheibenschäden; die Quetschungen können – neben dem charakteristischen, ausstrahlenden Schmerz – Muskelkrämpfe in den abhängigen Muskeln verursachen
  • Kinderlähmung (Poliomyelitis): Polioviren können sich unter anderem auch in den Nervenzellen ausbreiten, was Lähmungserscheinungen zur Folge hat
  • Spinale Muskelatrophien (SMA): Eine Gruppe von Krankheiten, deren Leitsymptom eine Muskelschwäche infolge zugrunde gehender Nervenzellen im Rückenmark ist
  • Amyotrophe Lateralsklerose (ALS): Eine hauptsächlich das motorische Nervensystem betreffende Erkrankung, die sich durch Muskelschwäche äußert

Doch Halt! Neben dem peripheren Nervensystem gibt es ja auch noch das Zentralnervensystem (ZNS). Der Begriff umschreibt Nervenstrukturen in Gehirn und Rückenmark. Auch im ZNS kann die Ursache von Muskelkrämpfen begründet sein. Dazu gehören beispielsweise:

  • Tetanus: eine durch Bakterien hervorgerufene Infektionskrankheit; im fortgeschrittenen Krankheitsverlauf sind Muskelkrämpfe symptomatisch, die den ganzen Körper betreffen  
  • Stiff-Man-Syndrom: typisch hierfür sind schmerzhafte, einschießende Krämpfe, überwiegend an Rumpf und Beinen

Das Stiff-Man-Syndrom ist selten. Auch die Tetanus-Erkrankungsrate ist – zumindest in Europa und Nordamerika – niedrig.6 Letzteres ist zurückzuführen auf Impfungen sowie verbesserte Lebensumstände.

Ein typisches Phänomen: Muskelkrämpfe, die nachts auftreten


Wer beispielsweise lange ungünstig auf einem Bein sitzt, kann die unangenehme Körperhaltung schon einmal in Form eines Krampfes in der Wade zu spüren bekommen. Trotzdem ist die Tatsache bemerkenswert, dass sehr häufig Krämpfe während der wohlverdienten Nachtruhe auftreten. Doch warum ist das so? In der Skelettmuskulatur liegen Dehnungsrezeptoren, die sogenannten Muskelspindeln. Ist der Muskel beispielsweise nach intensivem Training übersäuert, reagieren die Muskelspindeln vermutlich schneller auf jegliche Veränderung. Das heißt, die Spindeln sprechen bereits auf kleinste Dehnreize – hervorgerufen durch unbewusste Bewegungen während des Schlafs – an. Die Konsequenz: ein verkrampfender Muskel.4

Was hat Alkohol mit Muskelkrämpfen zu tun?


Alkohol gilt als „Muskel- und Nervengift“7. Bekannt ist Alkohol als Hemmer des antidiuretischen Hormons, kurz ADH, welches unseren Wasserhaushalt reguliert. Wird weniger ADH freigesetzt, macht sich dies durch vermehrten Harnfluss bemerkbar. Infolgedessen kommt es im Körper zu einem erhöhten Verlust an Elektrolyten, folglich zu einer Störung des Elektrolythaushaltes – Muskelkrämpfe können die Folge sein.

Einer Studie der Universität Straßburg nach, konnte zudem ein Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und Wadenkrämpfen in der Nacht bei älteren Personen zwischen 60 und 86 Jahren hergestellt werden. Die Autoren der Studie vermuten, Alkohol könne die selektive Atrophie (Gewebeschwund) bestimmter Muskelfasern verstärken, was wiederum die unangenehmen Wadenkrämpfe nachts fördert.8

Therapie, um Krämpfe zu lösen


Grundsätzlich ist oberste Prämisse, eine zugrundeliegende Erkrankung auszuschließen beziehungsweise – wenn vorhanden – diese spezifisch zu behandeln.

Zur Therapie empfehlen sich unter anderem folgende Maßnahmen:

  • regelmäßige Dehnübungen (der Wadenmuskeln)
  • Wechselbäder
  • übermäßigen Nikotin-, Alkohol-, Kaffeekonsum einstellen oder zumindest vermindern
  • muskelentspannende Maßnahmen
    • betroffene Körperteile warmhalten (beispielsweise mit warmen Wickeln oder einer Wärmflasche)
    • sanfte Oberflächenmassage (zum Beispiel mit schmerzlinderndem und kühlendem Johanniskrautöl aus der Apotheke)
  • Flüssigkeits- und Elektrolytausgleich (beispielsweise lauwarme Rinder- oder Hühnerbrühe)
  • medikamentöse Behandlung, beispielsweise mit dem umstrittenen, rezeptpflichtigen Chinin (da schwerwiegende Nebenwirkungen möglich sind, nur bei schweren Muskelkrämpfen anzuwenden, die sonst nicht zu behandeln sind)1
  • im Akutfall: verkrampften Muskel unverzüglich vorsichtig dehnen und/oder die Antagonisten (Gegenspieler) anspannen, um den Krampf zu lösen1

Anders formuliert bedeutet dies: Dehnen Sie den Muskel entgegen der Krampfrichtung. Leiden Sie beispielsweise unter einem Krampf in der Wade, strecken Sie den Fuß in Richtung Schienbein (Dorsalextension). Anschließend sollten Sie Lockerungsübungen machen, die verkrampfte Stelle behutsam massieren und eine Wärmebehandlung durchführen.

Mediziner sind sich jedoch uneinig, inwieweit das Dehnen der verkrampften Muskulatur als vollkommen unbedenklich angesehen werden kann. Da ein verkrampfter Muskel weniger stark durchblutet wird und somit nicht so dehnbar ist wie ein normal durchbluteter Muskel, kann aus zu starker Dehnung eine Verletzung des Muskels resultieren.4

„Magnesium hilft bei Muskelkrämpfen“ – oder stimmt das doch nicht?

Tatsächlich fehlen ausreichende wissenschaftliche Belege für die Wirkung der Einnahme von Magnesium bei Muskelkrämpfen.1 Davon abzugrenzen sind Muskelkrämpfe, die im Zusammenhang mit einer bestehenden Schwangerschaft stehen: Hier sei „Magnesium möglicherweise wirksam.“1 Wird Magnesium überdosiert, sind Nebenwirkungen wie ein Abfall des Blutdrucks oder Müdigkeit nicht auszuschließen.11 Vor der Einnahme sollte daher vorsichtshalber Rücksprache mit dem behandelnden Arzt gehalten werden.

Sanfte Hilfe aus der Homöopathie


Ist eine ernstzunehmende Erkrankung für die Muskelkrämpfe ausgeschlossen, kann auf homöopathische Präparate zurückgegriffen werden, um zu versuchen, die Beschwerden zu lindern.

Mittel, die bei Muskel- und Wadenkrämpfen eingesetzt werden:9

  • besonders nachts: Cuprum metallicum (metallisches Kupfer) D6
  • nach Überanstrengung: Rhus toxicodendron (Giftsumach) D12
  • während der Schwangerschaft: Ruta graveolens (Weinraute) D6

Bei Fragen zur Einnahme homöopathischer Arzneimittel berät Sie gerne ein Arzt mit der Zusatzbezeichnung „Homöopath“ oder ein Apotheker.

Hausmittel: Gib dem Krampf Saures!


Zugegeben, etwas gewöhnungsbedürftig mag es sein, Essiggurken-Wasser zu trinken. Aber: Ist der Muskelkrampf sportbedingt, würden einer Studie zufolge 1 Milliliter Gurkenwasser pro Kilogramm Körpergewicht helfen, die Krampfdauer zu reduzieren.11 Doch was ist der Mechanismus, der hinter diesem Hausmittel steckt? Experten machen den sauren Geschmack verantwortlich, der dazu führe, die Aktivität der Alpha-Motoneuronen (für Muskelanspannung zuständige Nervenzellen des Zentralen Nervensystems) in der krampfenden Muskulatur herabzusetzen.10

So können Sie Muskelkrämpfen vorbeugen


Heiße Duschen und Vollbäder haben sich als geeignete, vorbeugende Maßnahmen bei Muskelkrämpfen herausgestellt, denn die Wärme entspannt die Muskulatur. Die kurze Auszeit können Sie anschließend durch eine Abreibung mit durchblutungsförderndem Franzbranntwein nutzen.

Vorsichtiges Dehnen ist nicht nur im Akutfall, sondern auch vorbeugend nutzbringend.11 Folgende Übung für beispielsweise die Wadenmuskulatur können Sie auch schnell zwischendurch machen: Füße in Schrittstellung positionieren, das hintere Bein strecken, das vordere Bein beugen. Dabei darauf achten, dass die Ferse des hinteren Beines Bodenkontakt hat. Position für 10 Sekunden halten.11 Anschließend die andere Seite dehnen, pro Seite 3 Wiederholungen.11

Bevor Sie sich sportlich betätigen, ist es wichtig, sich mit Dehn- und Streckübungen aufzuwärmen. In die Sporttasche sollten Sie darüber hinaus ein isotonisches Getränk sowie einen kleinen Snack einpacken. Gut geeignet sind beispielsweise getrocknete Aprikosen und Bananen. Beide Obstsorten enthalten reichlich Kalium, womit sich Muskelkrämpfe vorbeugen lassen. Langfristig kann sich ein humanes Kraft-, Koordinations- und Ausdauertraining positiv auswirken.

Gesunder Lebensstil – weitere Tipps:

  • magnesiumreiche Lebensmittel essen (beispielsweise Vollkornbrot, Erdnüsse)
  • Bewegung
  • genügend Flüssigkeit aufnehmen (2,5 bis 3 Liter täglich)5
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Julia Lindert Die Ressortjournalistin Julia Lindert spezialisierte sich während ihres Studiums auf die Themenfelder Medizin und Biowissenschaften. Medizinische Sachverhalte in verständlicher Sprache zu formulieren, ist das, was sie an ihrer Arbeit besonders mag. Ihr Credo in Bezug auf Krankheitsbilder und Therapiemöglichkeiten: Nichts beschönigen, aber auch keine unnötigen Ängste schüren. Julia Lindert Medizinredakteurin kanyo® mehr erfahren
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